Alte Beitel

Bauformen von Beiteln

 

Stech- und Stemmwerkzeuge (Oberbegriff hier Beitel) werden vornehmlich zur Herstellung von Löchern, Vertiefungen, Gehrungen, Verzinkungen usw. und der Formgebung von Oberflächen bei dem Werkstoff Holz eingesetzt.
Entweder erfolgt das Eintreiben des Holzwerkzeuges mit dem Druck oder Stoß der Hand - wobei die zweite Hand hauptsächlich führt- oder durch Schläge auf das Heftende mit einem Klüpfel oder Hammer.
Der Begriff "Stechen" wird vorwiegend für die leichteren Stechwerkzeuge verwendet. Das "Stemmen" hingegen ist für die stabilere Ausführung eines Stemmwerkzeuges vorgesehen. Das Arbeiten mit dem Stemmwerkzeug erfolgt in der Regel unter zur Hilfenahme des Klüpfels oder Hammers.

 


 

1. Bauart von Beiteln mit Angeln (tong typ)

 

Abb. 1:
Beitel, hergestellt mit Angel

(Heft wurde von der Angel abgezogen)

Bauform: Beitel mit Angel

Erläuterungen:
Die Zwinge verhindert das zu tiefe Eindringen der Angel in das Holz oder Aufspleißen des Heftes.

Die Zwinge am Heftende vermeidet ein Aufspalten des Heftes durch die Schläge des Klüpfels oder Hammers.
Zwischen Hals und Angel befindet sich die Krone. Sie hat die Aufgabe das Eindringen der Angel in das Heft zu begrenzen.
Es gibt 3 Ausführungen von Angeln:

 

Abb 2: Angel mit quadratischem Querschnitt, konisch spitz zulaufend (z.Zt. gebräuchlichste Form) Angel, quadratisch, konisch
Abb 3: Angel mit gleichmäßig quadratischem Querschnitt Angel, quadratisch
Abb 4: Angel mit rundem Querschnitt Angel, rund

 


 

2. Bauart von Beiteln mit Tülle (englisch: socked typ)

 

Abb 5:
Beitel, hergestellt mit Tülle (Heft wurde aus der Tülle herausgezogen)

Bauform: Beitel mit Tülle

 

Die Herstellung von Beiteln mit Tüllen ist etwas aufwändiger als bei Beiteln mit Angeln. Da diese Bauart gegenüber dem Schlag mit dem Knüpfel oder Hammer sehr viel robuster ist, findet man diese Konstruktion hauptsächlich bei den kräftigeren Stemmeisen. Während diese Art in England und den USA noch gerne eingesetzt werden, findet man sie in Deutschland nur noch selten in Firmenkatalogen (z.B. von der Firma MHR).

 


 

3. Vielfalt der Formen und Materialien

 

Für viele Holzbearbeitungsberufe entwickelten Hersteller der Aufgabe entsprechende Klingenformen

 

mit unterschiedliche Klingenbreiten, Gesamtlängen, Materialdicken,

teils gebogen oder gekröpft,

mit Oberflächen aus Edelmetall (z.B. vergoldet),

mit und ohne Seitenfasen

konisch verjüngt zur Angel hin,

abgewinkelte Schneidenbereiche,

mit unterschiedlicher Stahlhärte (Shorehärte),

aus einer Materialsorte oder aus zwei Metallen, wobei die Schnittfläche aus härterem und der Rest aus weicherem Material besteht,

aus Damaszenerstahl (aus vielen Metallagen),

ohne oder mit Heften/Griffen (mit einer Vielzahl an Heftformen),

Hefte aus verschiedenen Holzarten oder aus Kunststoff,

als stabile Ausführung für die Bearbeitung mit dem Knüpfel oder Hammer,

als Langvariante zur Verwendung für das Führen mit beiden Händen,

zur Abstütung des Werkzeuges auf der Schulter,

mit Zwingen auf der Schlagseite des Heftes oder auch zusätzlich Innenzwingen, wobei die Zwingen aus Stahl oder Messing sind,

usw.

 


 

 

3.1 Klingenformen

 

Waren die Klingenformen in der Steinzeit bedingt durch das Material Stein und die Bearbeitungsmöglichkeiten noch nicht so vielfältig, erdachten in der Eisenzeit die Schmiede immer neue Formen. Die größte Vielfalt an Formen findet man bei den Bildhauerwerkzeugen, die auch Schnitzwerkzeuge genannt werden.

 

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3.2 Heftformen (Griffformen)

 

Das Wort "Heft" ist ein alter germanischer Begriff und bedeutet "Haltvorrichtung". Man kennt den Ausdruck eher von "anheften", also etwas "zum Halten bringen".
Zu früheren Zeiten gab der Tischler dem Schmied den Auftrag ihm ein Beitel in einer bestimmten Form herzustellen. Das Heft oder den Griff fertigte sich der Tischler dann selber nach seinen Vorstellungen individuell an. Erst in den letzten 100 Jahren konnte man die Hefte zusammen mit dem Schmiede oder Gußteil erwerben. Damit verschwand aber auch die Vielfalt von Heftformen, da die Beitelfirmen ja eher das Schmiede- oder Gußteil herstellten und die Hefte vorwiegend Zukaufteile waren. Dies trifft nach meinen Beobachtungen eher auf Deutschland zu. In der englischen Literatur und bei Auktionen habe ich eine Fülle von Heftformen und Materialien gefunden.

 

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4. Holzbildhauerwerkzeuge

 

Während Stechbeitel, Hohlbeitel und Lochbeitel für die Bearbeitung von Holz nach DIN (Deutsches Institut für Normung e.V.) genormt sind, gibt es für Holzbildhauerwerkzeuge (noch) keine Richtlinien. Die Aufteilung von deutschen Herstellern folgt der in England erstellten Sheffield-List in weiten Teilen. Die Unterschiede liegen darin, dass deutsche Anbieter die Werkzeuge mit Klingen, die einen Halbkreis bilden, als Stich 10 bezeichnen, während die Sheffield-Liste diese Größe mit Stich 9 beschreibt. Ein paar kleinere Abweichungen sind in der nachfolgenden Tabelle 1 beschrieben.

 

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Letzte Aktualisierung: 20.07.2014