Alte Beitel

Herrichten und Instandhalten von Polierscheiben (Pließten)

 

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Der Verfasser der nachfolgenden Anleitung über das Herrichten von Piessscheiben ist nicht bekannt. Mir wurde diese Unterlage freundlicherweise von Herrn Gerhard Jansen zur Verfügung gestellt.

 

"Nach dem Schleifen der Werkstücke auf starren Schleifscheiben ist vielfach noch ein Nachschleifen auf elastischen Scheiben mit aufgeleimtem Schmirgel notwendig. Bei Aufbringung von feinstgeschlämmtem Schmirgel finden diese Scheiben auch als Polierscheiben Anwendung. In der Hauptsache werden Holzscheiben mit Lederbezug und Filzscheiben benutzt. Die genaue Herrichtung dieser Scheiben entsprechend dem Arbeitszweck erfolgt in kleineren Betrieben durch die Schleifer selbst, in größeren Betrieben wird diese Arbeit oft einem ...

 

... Spezialfachmann übertragen. Die Herrichtung dieser Scheiben erfolgt nicht immer sachgemäss, so dass auf diese Arbeit kurz eingegangen werden soll.

Man hat zu unterscheiden: Holzscheiben mit Flachlederriemenbezug und sogenannten Kopfscheiben, bei denen das Leder entweder in radialer Anordnung quer zur Scheibe steht oder die Lederriemen in diagonaler Richtung dicht nebeneinander mit der Kante nach oben liegend. Die Art des verwandten Leders ist für das Arbeitsergebnis von ausschlaggebender Bedeutung, und deshalb suchen Spezialschleifer vielfach die Flachriemen selbst aus und überziehen auch selbst die Scheibe. Die Holzscheibe wird zunächst mit dem Drehstahl rund gedreht und mit kleinen Rillen versehen, um eine grössere Haftfläche für den aufzuleimenden Riemen zu erhalten. Der Riemen wird mit kräftiger Leimlösung in folgender Weise aufgeleimt:
Um den Riemen für den Leim empfänglicher zu machen, wird die aufzuleimende Kernseite mit einer Raspel aufgerauht. Auf das eine Ende des Riemens gibt man nun Leim und befestigt ihn mit einem Leimnagel auf der Scheibenhochkante. Ein weiteres Stückchen Riemen, etwa 15 cm, und die Scheibe erhalten nun einen weiteren Leimanstrich, der Riemen wird angezogen und am Ende der Beleimung wieder mit einem Nagel befestigt. Stückweise wird so der Riemen aufgeleimt bis der ganze Scheibenumfang bezogen ist. An den Enden wird der Lederstreifen so abgeschrägt und übereinandergelegt, dass ein Ausreissen bei der Arbeit nicht erfolgen kann. Nach einigen Tagen ist die Beleimung gut trocken und man füllt die entstandenen kleinen Löcher mit Lederstreifen aus. Darauf wird die Scheibe auf ihrer eigenen Achse nochmals mittels eines scharfen Meissels zentrisch gedreht.
Bevor wir auf die Praxis des Beleimens der Scheiben eingehen, einige Angaben über die Auswahl und Behandlung des Leimes, da selbst von Fachleuten auf diesem Gebiet viel gesündigt wird. Am besten eignet sich Hautleim*1, der eine hohe Bindekraft, genügend Zähigkeit und Elastizität besitzt. Vor dem Gebrauch wird der Tafelleim etwa 8 Stunden aufgeweicht, er nimmt ungefähr das Doppelte seines Gewichtes an Wasser auf. Keinesfalls soll der Leim beim Aufweichen breiig werden. Vor der richtigen Wärmebehandlung des Leimes hängt die Güte der Scheibe ab. Selbst in den Anweisungen einiger Kataloge liest man, dass der Leim bis zum Kochen erhitzt werden müsse, und auch in der Praxis wird in den meisten Fällen hiernach verfahren. Die größte Bindekraft liegt indes bei 55 - 60°C. Bei Temperaturen über 60° macht sich im Leim eine erhöhte Bakterientätigkeit bemerkbar, die die Bindekraft ist stark herabmindert. Es ist nicht mehr Leim zu bereiten, als zu der betreffenden Arbeit notwendig ist. Keimfreie Zubereitung, Benutzung sauberer Leimtöpfe und Leimauftragbürsten sind für den Erfolg der Scheibenleimung von größter Bedeutung; denn alte Leimreste führen zur Bakterienbildung und zum Zersetzen. Zu beachten ist auch, dass mit jeder Stunde Erwärmungsdauer der Leim etwa 5% seiner Bindekraft einbüsst. Zugluft führt zum plötzlichen Abschrecken des Leims, der dadurch spröde wird und später bei der Arbeit ausbricht.
Das Auftragen des Schleifkornes auf die Flach- und Hochkantlederscheiben kann auf zweifache Art geschehen: Ein Gemisch von Schmirgel und Leim wird mit dem Pinsel aufgetragen oder der mit dem Leim bestichene Bezug der Scheibe durch ausgebreitetes Korn gerollt. Die zweite Methode ist die einfachere und wird vielfach bei Herrichtung von gröberen Scheiben benutzt. Die Schleifkörner sind stark vorzuwärmen und vor dem Aufrollen gleichmäßig auf einer ebenen Fläche auszubreiten. Der Nachteil des Verfahrens besteht darin, dass beim Aufrollen die Körner nicht alle fest haften und nur wenige Schichten übereinander geleimt werden können. Der letzte Überzug erhält jedesmal einen schwachen Leimüberzug, um dem Schleifkorn einen festen Halt zu geben. Der Fachmann ist immer mehr von dieser Methode abgekommen und zieht das Aufleimen eines Leimschmirgelbreies vor.
Diese Art der Beleimung erfordert besondere Sorgfalt und Erfahrung. In größeren Betrieben lässt man deshalb zweckmäßig diese Arbeit von Spezialisten machen, wie wir schon oben erwähnten. Es kommt vor allem darauf an, Schmirgel und Leim im richtigen Verhältnis zu mischen. Gröberes Korn muss mit einer dickflüssigeren, feineres mit einer dünnflüssigeren Leimlösung gemischt werden, da die gröberen Körner sonst nicht haften und die feineren bei dickerer Lösung vollkommen eingebettet würden. Die Scheibe würde in diesem Falle verschmieren; bei stärkerem Andrücken verbrennt dann der Leim und der Belag löst sich. Bricht eine Scheibe aus, so liegt das an zu dünnem, zu kaltem oder angebranntem Leim. Bei einer künstlichen, zu plötzlichen Erstarrung schliesst der Leim das Korn nur ungenügend ein und es fällt leicht heraus. Das Trocknen erfolgt am zweckmäßigsten in einem Raum von 18 -24°C bei Vermeidung jeder Zugluft. Je dünner die Schicht ist, um so schneller trocknet sie. Damit das Gemisch nicht an der unteren Seite zusammenläuft, muss beim Beleimen die Scheibe gedreht werden. Nach dem Trocknen der ersten Schicht kann man 2-14 mal "drumleimen", je nach Verwendungszweck. Bei jeder nachfolgenden Beleimung kann man ein wenig warmes Wasser zugeben, doch darf die Verbindung mit der unteren Auflage nicht verloren gehen. Nach dem vollständigen Erstarren, das etwa 3 -4 Tage in Anspruch nimmt, sind die Scheiben gebrauchsfertig.

Um Scheiben die Schärfe zu nehmen, werden Sie vielfach vor dem Gebrauch nochmals umleimt, auch hält mal wohl ein Stückchen Dachziegel vor die umlaufende Scheibe oder "pliesstet" mit einem Stückchen Flacheisen geschlämmten Schmirgel mit Oel ein. Die Schleifwirkung lässt sich durch Bestreichen des Scheibenumfanges mit Oel oder leichtes Einreiben mit Wachs oder Talg mildern. Will man eine gute Politur erzielen, so sind mehrere Scheiben mit verschiedenartigen Riemen und mit stets feineren Politurmitteln zu benutzen.

Die Lebensdauer aufgeleimter Scheiben ist naturgemäß begrenzt. Unter keinen Umständen sollten sie solange benutzt werden, dass man bereits auf dem Leder arbeitet. Nach Abnutzung ist bei Scheiben, die in der Hauptsache noch Schleifzwecken dienen, meistens eine vollständige Beseitigung des alten Schmirgelbelags nicht notwendig, man kann sofort auf den alten Belag neu aufleimen. Das Säubern der Feinscheiben sollte nicht durch Aufweichen mit Wasser oder Auftragen einer Kalkschicht erfolgen, die den Belag löst, da sich bei diesem Verfahren auch leicht das Leder von der Scheibe löst. Am besten entfernt man alte Schleifreste dadurch, dass man einen groben Silizium-Karbitstein vor die Scheibe hält.
Aufgeleimt Scheiben arbeiten nur dann einwandfrei, wenn sie gut ausgewuchtet sind. Das Auswuchten auf Balancierbocks oder auch in einfacher Weise auf sogenannten Stellachsen erfolgt dadurch, dass man die Scheibe auf die Achse steckt und dadurch eine Schwerpunktverlagerung feststellt. An der dem Schwerpunkt entgegengesetzten Seite kann man auf dem Holz ein kleines Bleiplättchen befestigen und so das Gleichgewicht herstellen . (Verboten bei Schleifscheiben!) Dass Scheiben zitterungsfrei gelagert sein müssen, ist eigentlich selbstverständlich. Wer verstaubte Poliermassen aufträgt oder mit unsauberen Pinseln arbeitet, erhält Kratzer auf dem Arbeitsstück. In Räumen, in denen zugleich geschliffen wird, sollte nach Möglichkeit nicht poliert werden. Eine kräftig wirkende Absaugvorrichtung führt nicht nur den Staub fort, sondern kühlt auch die Scheibe und verhindert das "Brennen" der Werkstücke."

 

*1 gemeint ist Büffelhautleim

 

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Letzte Aktualisierung: 06.11.2009