Alte Beitel

Ybbsitz

 

Ansicht von Ybbsitz Ybbsitz

 

 

 

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Geschichte der Eisenverarbeitung in Ybbsitz

 

Einiges deutet darauf hin, dass Schmiede schon um 1320 im Bereich Ybbsitz ansässig waren (Urkundes des Otto von Hauseck). Auch wird in einer Urkunde aus dem Jahr 1437 von einer "uralten Werkstatt in Ybbsitz" berichtet. Grund für den Standort Ybbsitz...

 

...sind wie im Bergischen Land um Remscheid (Deutschland) die vorhandene Wasserkraft der Bäche (hier: Prollingbach, Kleine Ybbs und Schwarze Ois), der Holzreichtum als Grundlage für Erzeugung von Schmiede-Holzkohle und das Vorhandensein von Eisenerz in den steirischen Bergen gewesen. Im Fall von Ybbsitz kommt noch die verkehrsgünstige Anbindung hinzu.

Im 15. Jahrhundert siedelten sich immer mehr Hammerwerke und Schleifereien entlang des Prollingbaches und der Kleinen Ybbs an. Aufgrund dieses Aufschwungs der Eisenverarbeitung erhielt Ybbsitz im Jahre 1480 vom Kaiser Friedrich die Marktrechte. Schon zuvor im 14. Jahrhundert vereinigten sich die Schmiede in Zünften und Innungen, um die gemeinsamen Interessen gegenüber der Konkurrenz besser einbringen zu können (Leonhardi-Zeche und Frauenzeche). Der Begriff "Zeche" ist hier gleichbedeutend mit "Zunft" oder "Bruderschaft".

Die Schmiede und Schleifer in Ybbsitz stellten hauptsächlich

 

Hacken,

Schaufeln,

Bohrer,

Krautmesser,

Löffel,

Scheren,

Beschläge,

Sägeblätter,

Säbel,

Pfannen und

Kuhglocken

 

her. Insgesamt sollen es über 1000 verschiedene Eisenwaren gewesen sein.

Einen Hinweis, dass auch Beitel oder Stemmeisen angefertigt wurden, findet man in der Beschwerdeschrift von 1673 der Steyrer "Schredtschmiede": Die Ybbsitzer Krautmesserschmiede sollen "Stemb- und Hobeleisen" hergestellt und sogar die Styrer-Zeichen als Schmiedemarke eingeschlagen haben. Der Eisenobmann verbietet daraufhin den Schmieden die weitere Herstellung von Stemm- und Hobeleisen.

 

Um 1640 gibt es 14 ehrsame Handwerke im Ybbsitz: Hackenschmiede, Krautmesserschmiede, Reifmesserschmiede, Wollscherschmiede, Kupferschmiede, Pfannenschmiede, Hammerschmiede, Löffelschmiede, Neigerschmiede, Ahlschmiede, Hufschmiede, Feilhauer, Glötmacher, Frimbwerker und Schleifer.

Die Schmiede waren verpflichtet ihre Ware mit eigenen Schmiedemarken zu kennzeichnen. Gesellen ausserhalb von Ybbsitz durften nicht eingestellt werden, ebenso war es ohne Einwilligung des Obmannes verboten den Bereich Ybbsitz zur Arbeitsaufnahme oder Gründung einer eigenen Schmiede zu verlassen. Dieses Versprechen hatten die Gesellen bei der Freisprechung am Ende der Lehrzeit abzulegen.

 

Als Zeichen der Qualität der Schmiedeerzeugnisse gegenüber der Konkurrenz und der Abgrenzung gegen "unzünftige" Hersteller sind im Zeichenbuch des Jahres 1572 72 Meisterzeichen dokumentiert worden ("Zeichenbuch für die ehrsame Schmiedeschaft zu Ybbsitz, 1572").

 

Einen weiteren Hinweis auf die Herstellung von Beiteln/Stemmeisen in Ybbsitz gibt Dr. Ernst Meyer in seinem Buch "Geschicht des Marktes Ybbsitz" aus dem Jahr 1913 in dem er zusammenfasst: "Schon seit alter Zeit erzeugten die Ybbsitzer Schmiede Pfannen, Hacken, Schaufeln, Reifmesser (= Zugmesser), Bohrer (Neiger = kleine Bohrer), Zangen, Scheren (Schafscheren), Stemmeisen, Ahle, Striegel (Handwerkzeug zur Tierpflege), Hauen, Rechen, Kuhglocken, Spalierhagel, Mauseisen und überhaupt Schlageisen (= Steinmeissel), Türschlösser, Lichtputzen (= Dochtscheren), sowie Haus- und Küchengeräte aller Art, zu Zeiten auch Waffen für das Militär".

 

Ab 1732 sollen auf Verlangen des Abtes die Ybbsitzer Schmiede neben ihrem eigenen Zeichen auch das Stadtzeichen von Waidhofen a.d. Ybbs einschlagen.

 

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts erhielten die Hammerwerke immer größer werdende Konkurrenz durch Fabriken und dem Gebrauch von Dampfmaschinen. Es kam zu Stilllegungen und zum beginnenden Verfall der alten Fertigungstätten. Mit der Gründung der Ybbsitzer "Werks- und Verkaufsgenossenschaft, Vereinigte Schmiedgewerke ind Ybbsitz und Waidhofen a.d. Ybbs im Jahr 1903 konnte der Rückgang der Schmieden und Schleifereien bis ins 20. Jahrhundert hinausgeschoben werden.

Während im Jahr 1859 noch 53 Schmiedemeister und 308 Gesellen in Ybbsitz tätig waren, reduzierte sich die Anzahl im Jahre 1908 auf nur noch 20 Meister im Eisen verarbeitenden Gewerbe.

 

 

Hersteller von Beiteln/Stemmeisen in Ybbsitz

 

 

Name, Vorname wohnhaft Warenzeichen-Anmeldung Nachweis/Quelle
Damisch, Franz Haus-Nr.alt: 20; neu: 28;
ab 1987: In der Noth 15
Besitzer: Damisch, Franz ab 1727
verstorben: 1922
1908 - eigene Beitelsammlung
- "Österreichischer Markenanzeiger" [D11]
- "Geschichte des Marktes Ybbsitz" [B258]
  seit 1906:
Haus-Nr. alt: 97; neu: 119
   
  bis 1915:
Haus-Nr. alt: 147; neu: 39;
ab 1987: Eisenstr. 23
   
Schnabl, Marie   1888 - eigene Beitelsammlung
- "Österreichischer Markenanzeiger" [D11]
Sonneck, Emanuel
Besitzer des Wagner- und Greilhammers
seit 1919:
Haus-Nr. alt: 10; neu: 13;
ab 1987: In der Noth 36
verstorben: 1913
1888
- "Österreichischer Markenanzeiger" [D11]
- "Geschichte des Marktes Ybbsitz" [B258]
"Aussteller-Katalog der Heimatschau Eisenwurzen" [B259]
Vereinigte Schmiedgewerke Ybbsitz
gegründet: 1903
Haus-Nr. alt: 44; neu: 56;
ab 1987: Hammerschmiedstr. 1
1903 - eigene Beitelsammlung
- "Österreichischer Markenanzeiger" [D11]
- "Geschichte des Marktes Ybbsitz" [B258]

 

 

Ansichtskarte Prollingfall, Ybbsitz Ybbsitz - Prollingfall - Schleiferei in der "Not"; errichtet von der Kaiser Franz-Josef-Stiftung der n.-ö. Handels- und Gewerbekammer 1893 (rückgebaut 1916)
Ansichtskarte "In der Noth", Ybbsitz Ybbsitz -Am Nothberg - (Wasserfall) ca. 1915

 

 

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Letzte Aktualisierung: 05.09.2010