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Produktionsstätten im Bergischen Land

Warum die Eisenindustrie sich im Bergischen Land ansiedelte, kann nicht zweifelsfrei geklärt werden. Es gibt aber einige Theorien darüber. So soll Graf Adolf II von Berg Schmiede aus Damaskus von einem Kreuzzug (1147-1149) mitgebracht haben. Eine andere Erklärung besagt, dass um 1290 steirische Sensenschmiede ins Bergische Land übergesiedelt sein sollen.

 ... Oder, Arbeiter Adolfs VII haben die Kunst des Schmiedens in England, Sheffield, erlernt. Weiter wird vermutet, dass Schmiede aus Armata, Toledo und Sarragossa die Fertigkeiten ins Bergische gebracht haben. Es kann aber auch sein aus der Notwendigkeit heraus zu Überleben, weil eine ertragreiche Landwirtschaft oder Viehzucht auf den vorhandenen Wiesen und Äckern nicht möglich war.

Zweifelsfrei ist wohl in dieser frühen Zeit die geschickte Ausnutzung der Wasserkraft durch Hammerwerke und Schleifkotten nicht der ausschlaggebende Grund gewesen. Sicherlich war schon ein gewisses Fachwissen und handwerkliche Fertigkeit in der hier lebenden Bevölkerung vorhanden. Sicher ist, dass das an manchen Stellen zutage tretende manganhaltige Eisenerz im Bergischen schon ab etwa dem 9. Jahrhundert in sogenannten "Waldschmieden" in Rennöfen aufbereitet wurde. Für das Schmelzen des Eisenerzes benötigt man etwa das 1,5-fache an Holzkohle. Diese wurde von Köhlern aus den Buchenwäldern der Region gewonnen. Die Siedler im Bergischen Land stellten die Eisenwerkzeuge eher für den Eigenbedarf her. Möglicherweise gab es auch damals schon eine Person (Dorfschmied), die das Handwerk des Schmiedens besonders gut beherrschte und für andere Metallteile anfertigte.


Erst ab dem 14. Jahrhundert nutzten die Schmiede und Schleifer die Wasserkraft der vorhandenen Bäche mit Hilfe von Hammerwerken und Schleifkotten. Die Bäche speiste der allgemein bekannte "Dauerregen" im Bergischen Land. Tiefdruckgebiete führen Wolken in West-Ost-Richtung über das flache Rheinland auf das Bergische Land zu. Die Wolken werden an den Bergen in größere Höhen gezwungen und regnen dann ab, weil der Wasserdampf in den kälteren, hohen Bereichen kondensiert. Der Höhenunterschied zwischen der Rheinebene z.B. bei Düsseldorf (38 m üNN) und z.B. Remscheid (365 m üNN) beträgt ca. 327 m. Während die Niederschlagsmenge im Rheinland etwa 760 Liter im Jahre auf den Quadratmeter beträgt, sind es im Bergischen Land mehr als 1300 Liter im Jahr und pro Quadratmeter.

 

Wo wurden nun Beitel und Holzbildhauerwerkzeuge hergestellt?

 

Hammerwerke und Schleifkotten

 

 

Auszug aus "Amtlicher Bericht über die allgemeine Deutsche Gewerbeausstellung zu Berlin im Jahr 1844" 2. Teil 1

"§. 6.
Stahl- und Eisenwaaren, Waffen und Messerschmiedearbeiten.

1. Stahl- und Eisenwaaren.
Unter dieser Benennung begreift man eine zahllose Menge von Werkzeugen und Geräthen aus Stahl und Eisen, auch in Verbindung mit anderen Metallen, welche in fast allen Gewerben und durch alle Klassen der bürgerlichen Gesellschaft Anwendung finden, daher zum großen Theil unentbehrlich genannt werden können.
Die Anfertigung dieser Geräthe und Werkzeuge erfolgt fabrikmäßig; sie beschäftigt von Alters her, und auch jetzt noch, einen großen Theil der werkfleißigen Bevölkerung in den Gebirgen des Herzogthums Berg und der Grafschaft Mark; - ein reichlicher Ersatz für die natürliche Unfruchtbarkeit des Bodens. Die in diesen Gegenden einheimische Fabrikation vertheilt sich zwischen den Regierungs-Bezirken Düsseldorf und Arnsberg, dem Geldwerthe nach ungefähr zu gleichen Theilen, aber verschieden nach Gattung der Erzeugnisse, obwohl manche darunter wieder gemeinsame Fabrikate bilden, also im Handel mit einander in Konkurrenz treten.
Im erstgenannten Regierungs-Bezirke bildet Remscheid den Mittelpunkt dieser interessanten Fabrikation; aber sie verbreitet sich im Osten bis Iserlohn, geht im Westen in die nahe verwandte Industrie des Kreises Solingen über und steht nach Süden hin mit den Eisen- und Stahlwerken des Siegenschen Landes im engen Zusammenhange, von denen sie das ihr unentbehrliche Material, den Rohstoff, beziehen muß. Wiederumg sind die verschiedenen Erzeugnisse dieser Fabrikgegend so eng mit einander verbunden, sich gegenseitig ergänzend und aus einander hervorgehend, daß ein richtiges Urtheil über den Werth und die Bedeutung einzelner Artikel nur mit Rücksicht aus diesen Zusammenhang gefällt werden kann.
Das Bewußtsein dieses inneren Zusammenhanges ihrer gesammten Industrie war es vorzugsweise, welches 14 der ersten Fabrik-Kaufleute von Remscheid veranlaßt hatte, einen "Remscheider Verein für die Industrie-Ausstellung zu Berlin" zu bilden, und unter dieser Firma der Ausstellung eine Sammlung von Remscheider Stahl- und Eisen-Waaren einzuverleiben, welche, wenn auch bei weitem nicht erschöpfend, doch bisher an Vollständigkeit nicht erreicht wurde.
Unter Nr. 1065 waren nämlich nicht weniger als 67 Musterkarten mit 1017 Nummern der verschiedenartigsten Gegenständen ausgestellt, von welchen viele schon in früheren Artikeln Erwähnung gefunden, die meisten aber ihrer Natur nach hierher gehören. Wegen der ungemein großen Anzahl dieser Gegenstände müssen wir uns aber auf folgende summarische Besprechung beschränken.
Der Vertrieb (Absatz) dieser Waaren wird vorzugsweise durch diejenigen Fabrik-Kaufleute bewirkt, welche "Remscheid" datiren, obgleich sie zum Theil auch außerhalb dieser Gemeinde, namentlich in Kronenberg und Lüttringhausen, wohnhaft sind. Wie aber der Geschäftsumfang dieser Häuser sich keineswegs auf jene Waaren beschränkt, vielmehr alle Solinger Waaren und außerdem die großartigsten Waaren- und Spekulations-Geschäfte anderer Art mit umfaßt, eben so werden auch häufig die Remscheider Waaren von den Eisen- und Stahlwaaren-Händlern der Grafschaft Mark geführt.
Wenn hiernach der Werth der jährlichen Produktion in der Remscheider Fabrik mit Genauigkeit nicht zu schätzen ist, so kann man doch mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß der jährliche Umschlag in diesen Waaren, soweit er von Häusern der Gemeinde Remscheid, Lüttinghausen und Kronenberg bewirkt wird, fünf Millionen Thaler übersteigt, von denen drei Millionen auf die Gemeinde Remscheid unter diesen wieder eine Million auf die 14, den Verein bildenden Häuser fallen dürfte.
Die Mehrzahl diese Häuser ist von altem, bewährtem Rufe. Ihre Fabrikzeichen - das Eigenthum der Kaufleute, nicht der Arbeiter - sind in der Welt bekannt und haben ihren guten Ruf sorgfältig bewahrt. Daher ist die Erlangung eines vollständigen gesetzlichen Schutzes gegen Fälschung dieser Fabrikzeichen, welche ein wichtiges Erbgut in den Familien bilden, und bei VERäußerung oftmals mit Tausenden bezahlt werden, dringender Wunsch der Fabrikanten von Remscheid; als das Mittel, um den redlichen Fabrikanten von Nachtheil zu schützen, und zugleich den guten Ruf der gesammten Remscheider Fabrikate auf ausländischen Märkten zu erhalten.
Der Natur der Remscheider Waaren und die Art ihrer Anwendung in den bürgerlichen Gewerben bringen es mit sich, daß sie nicht so sehr, als die Solinger Waaren, der Mode unterworfen sind. Nicht sowohl die Form, als vielmehr die Dimension und Qualität kommt in Betracht; daher ihr Absatz nach Zeichnungen, mit Angabe von Maaß und Benennung, bewirkt werden kann, während die Aufträge für Solinger Waaren, mit Ausnahme der Waffen, nach Mustern aufgenommen werden müssen.
Aus ähnlichen Gründen hat die Entwerthung der Remscheider Waaren im Laufe der Zeit nicht in gleichem Maaße stattgefunden wie die der Solinger Waaren. Der Handwerker zahlt gern einen mäßig hohen Preis für brauchbares und solides Handwerkzeug, dessen er zur Verfertigung seiner eigenen Erzeugnisse nothwendig bedarf, während eine wohlfeile Scheere oder ein unbrauchbares Messer von dem Käufer im Detail leicht für ein zweites und drittes bei Seite geworfen wird.
Auch in Bezug auf die Vermittlung des Kaufmanns, dem Arbeiter gegenüber, besteht der Unterschied, daß in der Regel diese Vermittlung im Solinger Fabriken-Bezirke von sogenannten Kommissionairen, als Zwischenperson zwischen dem Kaufmann und dem Arbeiter, besorgt wird, während im Remscheider Bezirke der Kaufmann dem Arbeiter unmittelbar gegenübersteht, jener die Waare nach dem Bedürfnis seiner Kundschaft bestellt, dieser sie fertig abliefert. Daraus folgt für den Remscheider Arbeiter im Ganzen ein höherer Verdienst, eine mehr gesicherte Stellung; für den Remscheider Kaufmann eine nicht so sehr getheilte  Kundschaft. Denn aus den Kommissionairen der Solinger Fabriken pflegen viele neue Konkurrenten hervorzugehen, welche dem Arbeiter nicht immer die größeren Vortheile zuwenden, gewiß aber in der Regel die Preise drücken.
Diese Bemerkungen dürften zum Theil erklären, woher es komme, daß in neuerer Zeit der Absatz in Remscheider Waaren im Allgemeinen mehr zugenommen, als derjenige der Solinger, und warum jene die Konkurrenz Englischer Fabrik auf den ausländischen Märkten, namentlich in Nord-Amerika, immer siegreicher bestehen, während die Fabriken des Solinger Bezirkes gedrückt sind. Nicht immer ist der niedrige Preis dauernd eine Empfehlung für die Waare, deren Güte und Solidität ihr vielmehr mit der Zeit eine sichere Kundschaft erwirbt.
Zwar haben die prohibierenden Maaßregeln Frankreichs den frühre so wichtigen Absatz Remscheider Waaren nach diesem Lande seit etwa 15 Jahren immer mehr beschränkt und ihn, außer auf raffinirten Stahl, welcher in gewissen Quantitäten unentbehrlich ist (auch Strohfeilen werden dazu benutzt), auf wenige feinere Artikel beschränkt, so daß er gegenwärtig alle Bedeutung verloren hat. Dagegen hat seit Ausdehnung des Deutschen Zollvereines der Absatz in Deutschland selbst erheblich zugenommen, und in Verbindung mit den etwas vermehrten Beziehungen zu den Süd-Europäischen Staaten für den Verlust Frankreich`s Ersatz gegeben. Doch sind die beiden Kontinente Amerika`s unbedingt die wichtigsten Märkte für diese, wie überhaupt für alle auf den Export berechneten, Deutschen Fabrikate. Sie mehr und mehr zu gewinnen, muß daher Hauptaufgabe der Fabrikanten wie der Verwaltung sein, und ein günstiges Resultat ist alsdann um so sicherer zu erwarten, als schon jetzt angenommen werden kann, daß die Remscheider Fabrik die Konkurrenz mit der Englischen in allen denjenigen Waaren siegreich zu bestehen vermag, welche nicht durch Maschinen verfertigt werden können, und bei welchen nicht das Material, sondern die Arbeit den Preis bestimmt.
England selbst hat den Deutschen Eisen- und Stahlwaaren seinen eigenen Markt verschlossen. Es konfisirt selbst Deutsche Waaren mit Englischen Stempeln, wenn sie im Transit England berühren.
Rußland läßt eigentlich nur Handwerkzeuge zu, alles Übrige, und namentlich die wichtigsten Artikel, welche als Hausrath bezeichnet werden können, sind verboten.
Die übrigen Länder im Norden Europa`s werden von gewissen Häusern regelmäßig bereist, wiegen aber nicht schwer in der Wagschaale.
Was nun die Fabrikation selbst betrifft, so ist es von hohem Interesse, deren territorielle Vertheilung näher zu betrachten.
Die Grafschaft Mark und Westphalen, dem Siegenschen Rohstoff am nächsten belegen, haben sich dieselben zuvörderst bemächtigt, um ihm auf ihren Rohstahl-Hämmern die erste Verwandlung zu geben. Schwere Artikel, bei denen das Material den Preis bedingt, werden, der größeren Nähe des Rohstoffs wegen, mehr in der Grafschaft Mark gefertigt, die Remscheider Fabrik dagegen hat sich vorzugsweise denjenigen Artikeln zugewandt, bei denen Handarbeit und Geschicklichkeit überwiegen, obwohl hiermit keineswegs gesagt sein soll, daß nicht auch gewisse Fabriken-Distikte der Grafschaft Mark dergleichen feinere Artikel zu liefern vermögen und wirklich liefern.
Auf den Gefällen des Remscheider Bezirks befinden sich keine Roststahlhämmer, vielmehr außer den Schleifkotten nur Raffinir- und Breithämmer; wöhrend die Gefälle des Solinger Bezirks fast durchgängig zu Schleifkotten verwendet werden.
Der bei weitem größere Theil des raffinirten Stahls wird an Ort  und Stelle durch weitere Verarbeitung konsumirt; da Übrige geht zumeist nach Nord-Amerika, jedoch auch nach Frankreich und anderen Ländern.
Die eigentliche Remscheider Fabrik beschränkt sich zumeist auf den Umfang der Gemeinden Remscheid, Lüttringhausen und Kronenberg; einzelne tüchtige Arbeiter für gewisse Fabrikate sind jedoch auch in einer, selbst entfernten Umgegend zu finden.
Als Regel kann man ferner annehmen, daß die feineren Handwerks-, und namentlich die Schreinergeräthe, in den Gemeine Remscheid, die Zimmermanns- und Ackergeräthe in Kronenberg, die Wirthschafts- und Küchengeräthe in Lüttringhausen gefertigt werden.
Die Gemeinde Radevormwalde liefert namentlich die größeren Thürschlosser, Velbert die leichteren Schlösser für Kisten, Schränke, Schiebladen. Beide waren auf der Ausstellung sehr vollständig vertreten; jedoch nimmt die Fabrikation dieser Schlösser, namentlich der feineren, auch in der Gemeinde Remscheid bedeutend zu. Nur in den Vorhangschlössern ist England überlegen, weil deren Theile auf Maschinen und nach gleichen Mustern gepreßt werden können; freilich zum Nachtheil der Sicherheit.
Schon früher ward erwähnt, daß die schwereren Artikel größeren Theils der Grafschaft Mark verblieben sind. Dahin gehören namentlich die größeren Ambosse, während die kleineren Klempner, Silberschmiede etc. namentlich die bessere Qualität, in großer Menge zu Remscheid gefertigt werden. Die Ausstellung zeigt davon eine gute Zusammenstellung. Auch Strohmesser und Sensen, ein ursprüngliche Remscheider Artikel, sind von dort nach Westphalen ausgewandert (Altena, Börde und Umgegend). Nur zwei Fabrikanten in Remscheid beschäftigen sich noch mit dieser Waare, jedoch in geringem Umfange.
Ferner gehören nicht zu der Remscheider Waare die Sackhauer und ordinären  Messer aller Art, welche in großer Zahl am Gevelsberge, die Spaten und Pfannen, großen Waagebalken und Waagschalen, welche ebendaselbst und zu Halver gefertigt werden.
Ebenso ist die Solinger Fabrik - einige Arbeiten ausgenommen - von jener durchaus geschieden. Daher gehören Klingen (die Scheiden werden jedoch auf auf dem Remscheider Breithämmern gebreitet), die Scheeren (nach jenen für Solingen der wichtigste Artikel), ferner die Tischmesser und Gabeln, die Taschen- und Federmesser.
Endlich ist auch die Drahtzieherei und Alles, was damit zusammenhängt, der Remscheider Fabrik fremd und Iserlohn eigenthümlich.
Wie sehr aber in der Gemeinde Remscheid selbst wieder die Fabrikation gewisser Waaren-Gattungen an bestimmte und engbegrenzte Lokalitäten gebunden ist, wird erhellen, wenn wir bemerken, daß die Feilen vorzüglich zu Ehringhausen und Bliedinghausen, Beitel- und Hobeleisen zu Vieringhausen, Feilkolben (Handschrauben) und Zängelchen zu Stachelhausen, Sägen und Kaffeemühlen zu Schüttendelle, Schaufeln, Hacken, Beile (außerdem für Westphalen eigenthümlich) zu Morsbach angefertigt werden. Die Kunstfertigkeit erbt vom Vater auf den Sohn, und in dem Umstande, daß derselbe Arbeiter seinen ganzen Fleiß auf die Fertigung einer Spezies von Waaren verwendet, liegt seine Meisterschaft und sein Übergewicht über den Handwerken gleichen Gewerbes, welcher sich der ganzen Gattung widmen muß.
Unter den Remscheider Waaren bilden die Sägen bei weitem den Hauptartikel. Man kann annehmen, daß etwa die Hälfte aller Arbeiter des Remscheider Bezirks mit der Anfertigung von Sägen und Feilen (je zur Hälfte) beschäftigt werden, während der Werth beider Fabrikate die Hälfte des Gesammtwerthes sämmtlicher Remscheider Waaren übersteigen dürfte. Die Sägen sind ein fast ausschließlich Remscheider Artikel. Ihre Formen Größen und sonstigen Eigenschaften wechseln je nach dem Gebrauche und den Anforderungen der Abnehmer in tausend Gestalten. Sie sind bei dem Absatz nach jedem Lande Hauptartikel und werden daher jeder Sendung beigefügt.
Das Assortiment, welches der Verein zur Ausstellung gebracht, und welches mit den übrigen ausgestellt gewesenen Sägen weiterhin besonders zur Sprache kommen wird, kann daher keineswegs als vollständig, vielmehr nur als eine gedrängte Übersicht verschiedener Gattungen betrachtet werden.
Wie sehr übrigens die erwähnte Mannigfaltigkeit dieses Artikels durch das verschiedene Bedürfnis oder die Gewohnheit der Abnehmer bedingt ist, davon giebt die bekannte Tischlersäge ein Beispiel. Sie geht nach Deutschland und dem Norden Europas mit fester (aus einem Stück mit dem Sägeblatt gearbeiteter) Angel, welche wenigstens doppelt so dick sein muß, als das Blatt; daher sie nicht gewalzt werden kann, sondern lediglich Handartikel bleibt und die Konkurrenz der Engländer besiegt. Die in Nord-Amerika und Frankreich gebräuchlichen Sägen dagegen werden ohne Angel gemacht. Die Angel wird später besonders daran genietet, das Blatt kann daher wie die Hand- und Rücksäge gewalzt werden, und würde der Konkurrenz der Engländer unterliegen, wenn nicht das bessere Siegenschen Material (Osemund), worauf es bei derlei Sägen besonders ankommt, Remscheid ein Gegengewicht gäbe. Auch die Englische Fabrik nimmt zu den besseren Sägen german-steel.
Mit den Sägen werden auch Blanchets gefertigt; ihr Absatz wird aber durch Fischbeinblanchets in neuester Zeit beschränkt.
Nach den Sägen sind die Feilen für Remscheid der wichtigste Artikel. Sowohl die von dem Remscheider Verein, als die von Robert Paß und von Gottlieb Reinshagen, zweien der besten Feilenschmiede der Gegend, zur Ausstellung gelieferten Exemplare bekunden die ausgezeichneten Leistungen der Remscheider Fabrik in diesen Artikel. Von den groben Strohfeilen (so benannt wegen ihrer Verpackung in Strohfeilen) bis zur feinsten Bastardfeile aus Gußstahl bedingt die ausgedehnte Anwendungen dieses Werkzeuges in den verschiedenen Gewerken eine große Mannigfaltigkeit. Das Material und der Arbeitslohn sind in Remscheid billiger als in England. Weil es aber bei diesem mit der Hand, nicht mit Maschinen gefertigten Artikel, neben der richtigen Härtung und Richtung, hauptsächlich die Egalität und die Sicherheit des Hiebes ankommt, so hatten die Engländer, welche für jede Gattung Feilen, ihres umfangreichen Marktes wegen, besondere Arbeiter ausbilden konnten, hierin bis vor Kurzem ein erhebliches Übergewicht. Jedoch ist der Absatz der Remscheider Feilen auf erfreuliche Weise im Wachsen begriffen, und in gleichem Verhältnis mit dem Absatze steigt auch die Geschicklichkeit der Arbeiter und damit die Qualität der Feilen. Für die Strohfeilen, welche ohnehin die Kosten eines weiten Landtransportes nicht ertragen können, ist im Süden von Europa die Konkurrenz von Steiermark bedeutend.

Auch die Beitel, Hobeleisen und Ziehklingen, ein anderer, in Remscheid heimischer Artikel von allgemeiner Anwendung, gebe, wie die Musterkarten des Vereins und nicht minder diejenigen von Carl Pott und Joh. Braunschweig bewiesen, in Vollendung der Arbeit den Englischen durchaus nichts nach. Selbst ihre Politur, nach Englischer Weise auf einer Zinnscheibe vollendet, ist vorzüglich zu nennen, und daß die Qualität bei mäßigen Preisen dem Bedürfnis entspricht, bezeugt der, namentlich in Nord-Amerika, steigende Absatz.
...
Unter Nr. 1032 von Peter Ludw. Schmidt zu Elberfeld eine Auswahl verschiedener Metallwaaren, von denen wir folgende hervorheben:
Ein 7 zölliges Hackemesser, das Dutzend zu 3 Rthlr. 26 Sgr.; ein doppeltes Wiegemesser, desgl. zu 7 1/2 Rtlrn; seine Küpermesser mit neusilbernen Bändern und Ebenholzheften, das Stück zu 31 Sgr.; ein Zuckerbeil zu 2 1/2 Rthlr. das Dutzend; mehrere Stechbeitel, Kant- und Lochbeitel, das Dutzend von 25 Sgr. bis 1 Rthlr. 26 Sgr.; Schlicht- und Lochhobel, 2 zöllig, von 1 Rthlr. 7 Sgr. bis 1 Rthlr. 11Sgr. das Dutzend.
Ferner schwarze Blechscheeren, das Dutzend zu 8 2/3 Rthlrn.; diverse Kneifzangen, desgl. von 3 Rthlr. 24 Sgr. bis 4 Rthlr. 4 Sgr.; eine fein polirte Biegezange zu ! Rthlr. 21 Sgr. pro Dutzend; ein poliertes Schraubenschneideisen mit 16 Löchern zu 8 Rthlr. 2 Sgr.; Packhaken zu 2 Rthlr. 9 Sgr. das Dutzend; ein Paar Federschlittschuh, das Paar ohne Riemen zu 3 Rthlr. 5 Sgr.; endlich schwarze Beile und Zimmermannsäxte, bezüglich zu 5 Rthlr. 3 Sgr. und 7 1/3 Rthlr. das Dutzend.

Nr. 1066. Joh. Arnold Braunschweig zu Rath bei Remscheid, ein Assortissement metallener Werkzeuge für Drechsler, Tischler, Holz- und Formschneider, Bildhauer u. dergl. m. Wir heben hervor mit Angabe der Dutzendpreise: ordinäre Drechselerbeitel zu 25 1/2 Sgr.; desgl. Englischer Facon zu 1 Rthlr,; Stechbeitel, Stemmeisen und Hohlmeißel für Tischler, in verschiedener Form und Größe von 16 1/2 bis 27 Sgr. das Dutzend; Schreinerhämmer zu 38 1/2 Sgr.; Hobeleisen, sortirt von 1/8 bis 1/2 Zoll, im Preise zu 34 Sgr.; Nageltreiber sortirt zu 12 Sgr.; Bildhauermeißel in verschiedenen Sorten zu 15 1/2 Sgr.

Nr. 1068. Carl Pott Beitel und Hobeleisen-Fabrikant in Birgderkamp bei Remscheid, fünf Musterkarten mit verschiedenen Hobeleisen, Beitel, Kunstdrechslereisen, und zwar:
Eine Musterkarte mit Hobeleisen für Küper, mit Gussstahl aufgelegt, 3 1/2 zöllig, das Dutzend zu 5 Rthl. 18 Sgr.; doppelte Hobeleisen von 1 7/8 Zoll Breite und mit verschiedener Einrichtung von 3 Rthlr. 18 Sgr. bis 4 Rthlr. 18 Sgr. das Dutzend; Zahn-, Loch- und Schlichthobeleisen von 1 Rthlr. 18 Sgr. bis 1 Rthlr. 26 Sgr. das Dutzend.
Eine Musterkarte mit verschiedenen Beiteln in Französischen und Spanischen Formen von 3 Rthlr. 18 Sgr. bis 3 Rthlr. das Dutzend; Hohlbeitel von 2 Rthlr. 6 Sgr. bis 2 Rthlr.; dergl. kleinere zu 24 bis 27 Sgr,; diverse Stech- und Schlichtbeitel von 1 Rthlr. bis 2 Rthlr. 6 Sgr.; Drehbeitel von 2 Rthlr. 20 Sgr. bis 3 Rthlr. 2 Sgr. das Dutzend.
Eine Musterkarte größerer Stech- und Schlichtbeitel in verschiedenen Formen 2 Rthlr. bis 3 Rthlr. 24 Sgr. das Dutzend; lange Griechische Düllbeitel mit Gußstahl aufgelegt von 5 Rthlr. 6 Sgr. bis 6 Rthlr. das Dutzend.
Eine Musterkarte mit 25 verschiedenen Drehmeißeln aus Gußstahl für Kunstdrechsler, das Dutzend zu 2 Rthlrn.
Eine Musterkarte mit Drechslergutschen für Stellmacher mit Gußstahl aufgelegt, das Dutzend von 4 Rthlrn bis 4 Rthlr. 12 Sgr,; Nürnberger Bildhauermeißel das Dutzend zu 1 Rthlr. 6 Sgr.; Schreinerklingen zu 1 Rthlr.; Orgelbauermesser zu 1 Rthlr. 18 Sgr. das Dutzend u. dergl. m." 1

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Amtlicher Bericht über die allgemeine Deutsche Gewerbeausstellung zu Berlin im Jahr 1844, Verlag von Karl Reimarus - 1845 (http://www.digitalis.uni-koeln.de)

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